Sommerzeit ist Berg Zeit. So machten wir uns zu sechst am Mittwoch unmittelbar nach der Genusstour im Zugspitzgebiet auf in die Dolomiten. Da die Anreise mit 6 Stunden doch sehr lange ist, legten wir zuerst einen Übernachtungsstopp in Trento ein.
Am Donnerstagmorgen dann noch mal eineinhalb Stunden bis zum Passo Carlo Mango oberhalb von Madonna di Campiglio.
Nachdem der Vereinsbus geparkt und die Rucksäcke endgültig gepackt waren ließen wir uns mit der Crosté Seilbahn auf 2500 m Höhe transportieren. Dort ist der Zustieg zu unserem Ziel, dem Bochette Klettersteig, dem Klassiker in der Brenta.
Über teilweise Geröllfelder wanderten wir südlicher Richtung Cima Crosté. Dort dann in 2750 m Höhe der Einstieg in den Klettersteig.
Über ein erstes Felsband mit Seilversicherung und dann teilweise ungesicherten Wegen führte der Steig zur Gamsscharte. Hier bot sich ein herrlicher Ausblick zur Adamellogruppe im Westen.
Weiter am gesicherten Steig zum höchsten Klettersteigpunkt der heutigen Tagestour auf 2905 Metern. Hier legten wir unsere Rucksäcke ab und stiegen auf einem ungesicherten Steig zur Cima Falkner, einem knapp 3000 Meter hohen Gipfel,auf. Ein herrlicher Rundblick und vor allem, wenn die Wolken gerade weniger wurden, die Sicht auf den Hängegletscher der Cima Brenta waren der Lohn für die Mühe.
Nach einer kurzen Brotzeit folgte zuerst eine längere Abstiegskletterei auf stufigen Felswänden, dann Geröllfelder zu einem aussichtsreichen Platteau oberhalb der Bocca Alta di Vallesina, mit einer tollen Aussicht auf den mächtigen Brentastock im Westen.
Den Weg weiter folgend erreichten wir eine Weggabelung. Dort entschieden wir uns für den leichteren Sentiero Dallagiacoma, der über Geröll und Schneefelder zum Rifugio Tuckett führt.
Dort, nachdem wir uns unserer Schuhe und des Rucksacks entledigt hatten, ein kühles Getränk zum Flüssigkeitsausgleich.
Am nächsten Morgen um sieben Uhr Frühstück. Um kurz nach acht dann der Aufbruch . Zuerst wieder über Bänder und Geröll zu einem großen Schneefeld und auf diesem hinauf zur Bocca del Tuckett. Auf Felsstufen gelangten wir zu einer langen Leiter, weiteren stufigen Aufschwüngen und noch weiteren kurzen Leitern. Nach dem Überschreiten des nur teilweise gesicherten Garbaribandes ein Abstieg über Leitern in eine Rinne. Über die folgenden Felsbänder erreichen wir bei knapp über 3000 Metern Höhe ein kleines Platteau, dem höchsten Punkt des Tages.
Der Platz war wie geschaffen für eine kleine Pause. Anschließend ein kurzer Abstieg über Leitern und die Querung eines exponierten Grates zur Leiter der Freundschaft.
Nachdem wir die 20 Meter mit der Leiter hochgestiegen waren und noch ein paar Kletterpassagen waren wir auf dem Platteau des Spallone dei Massodi. Nun folgte eine lange Kletterei auf Felsbändern und Leitern zu einer Hinweistafel. Hier konnten wir wieder zwischen zwei Wegen wählen. Wir wählten den Sentiero Oliva Detassis.
Hier erwartete uns ein Leitersystem im Schwierigkeitsgrad C, auf dem wir, meist senkrecht von einer Leiter zur anderen hangelnd, über 100 Meter abstiegen. Nach den Leitern über die Reste des Brentagletschers um eine massive Bergkuppe herum zum Rifugio Alimonta, unserem Tagesziel. Wir genossen die Abendsonne auf der Terrasse bei einem kühlen Getränk und freuten uns über den zweiten gelungenen Tag.
Nach dem Frühstück am Samstag wieder ein früher Aufbruch. Über den Sfulminigletscher liefen wir auf die Bocca degli Armi, dem Einstieg in den Klettersteig. Nachdem wir uns wieder mit Sitzgurt und Klettersteigset ausgerüstet hatten nahmen wir die ersten Leitern in Angriff. Dann das erste lange ausgesetzte Brentaband. Wir genießen die spektakuläre Wegführung und erreichen ein Platteau, von dem aus wir die Kletterer in der Gulia Brenta , einer hohen, freistehenden Felsnadel, bewundern können.
Kurz danach ein steiler Abstieg, teilweise ungesichert und auf feuchtem Fels zur Bocchetta di Campanile Basso. Auf einem weiteren ausgesetzten Felsband, Leitern und Stufen Richtung Bocca die Brenta.
Dann kam das absolute Highlight des Klettersteiges. Alternativ zum eigentlichen Weg, dem Abstieg auf einer Leiter vom Felsband und dann der Aufstieg auf Schnee und Geröll, wurde das Band, auf dem wir liefen, einfach verlängert. Da aber ca. 50 Meter begehbares Band fehlten, wurden in den senkrechten Fels Metallstufen eingebohrt, auf denen wir uns, oben am Sicherungsseil eingehängt, horizontal fortbewegten.
Von der Bocca di Brenta war es dann noch eine viertel Stunde bis zum Rifugio Pedrotti-Tosa, die wir gegen Mittag erreichten.
Also genug Zeit für einen weiteren Höhepunkt. In eineinhalb Stunden, so laut Jürgen, können wir die Cima Tosa erklimmen. Die Cima Tosa war vor dem Abschmelzen des Schneegipfels der höchste Berg der Brentagruppe. Nun ist er mit 3170 Metern Höhe der zweithöchste Gipfel. Das mit den eineinhalb Stunden hat sich dann doch schnell relativiert. In der Zeit waren wir gerade am Einstieg in die Kletterpassage. Zu unserer Sicherheit kletterte Jürgen voraus und sicherte uns nach und nach auf für uns wiederbegehbares Gelände. Dann folgte noch ein langer Anstieg und zum Schluss der nicht enden wollende Weg auf dem Platteau zur Madonna am höchsten Punkt.
Es war bereits viertel nach vier als wir uns wieder auf den Rückweg machten. Jürgen seilte uns an der Kletterpassage zwei Seillängen ab. Dann eine Abfahrt über ein Schneefeld und der lange Hatsch zurück zur Pedrottihütte, die wir um neunzehn Uhr am Abend erreichten. Da die Küche bald schloss zuerst das Abendessen. Duschen kann warten.
Am nächsten Tag dann der Rückweg. Waren wir doch drei Tage lang immer auf Klettersteigen Richtung Süden gelaufen, so mussten wir jetzt diese Distanz zurück. Nicht auf Klettersteigen, sondern auf Bergpfaden. Doch zuerst gaben wir uns noch einmal den neu gebohrten Steig am Ende des Bochetteweges. Dann die Leiter absteigen und auf steilen Felsstufen den ersten Teil hinab. Bergauf und bergab führte der Weg zur Brenteihütte und weiter zur Tucketthütte. Dort machten wir erst einmal Mittagspause. Dann noch einmal knapp zwei Stunden bis zur Seilbahn am Passo del Crosté.
Mit der Bahn fiel der Abstieg richtig locker aus. Und nachdem wir uns umgezogen und alles verladen hatten, fuhr uns Wolfgang mit dem Vereinsbus nach Hause. Nicht ohne einen Zwischenstopp in einer Pizzeria in Schongau. Sonntagnacht um zweiundzwanzig Uhr dreißig öffnete sich dann die Schranke an der Tiefgarage von myPSA.

Autor: Hans Horn