Mountainbiketour von Augsburg zum Gardasee

Am Dienstag, 25. Juni, war’s endlich soweit. Wir starteten unsere Mountainbike Tour von Augsburg zum Gardasee. Früh um halb zehn trafen wir uns am Kiosk am Hochablass. Unser Tagesziel Bad Tölz war knapp über 100 Kilometer weg.
Zuerst am Lech entlang, über Althegnenberg und Luttenwang. Bei Jesenwang dann ein Pause im Schatten alter Kastanien. Durch Schöngeißing und Weßling Richtung Starnberg. Kurz davor, auf einem Schotterweg durch den Wald die erste Reifenpanne. Einen schlechteren Platz hätte Peter sich nicht aussuchen können. Umschwärmt von hunderten von Mücken versuchten wir zu zweit und zu dritt so schnell wie möglich die Panne zu beheben, während die anderen die Mücken verscheuchten. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnten wir endlich weiter nach Starnberg radeln. Dort suchten wir einen schattigen Platz in einer Wirtschaft und machten unsere Mittagspause.
Bei immer höheren Temperaturen radelten wir dann weiter nach Wolfratshausen und dort am Isarradweg weiter Richtung Bad Tölz.
Aber, unser Pannenkönig Horst konnte es nicht auf sich sitzen lassen das ausgerechnet er noch keinen Platten hatte. Also meldete er sich bei Geretsried, dass auch ihm die Luft ausgeht. Aus dem Vorderreifen.
Zum Glück hat er sich eine bessere Stelle ausgesucht und der Schlauch war schnell gewechselt.
In Bad Tölz angekommen füllten wir im hauseigenen Biergarten erst unsere Flüssigkeitsspeicher auf. Dann duschen und ein gemütliches Abendessen in einem nahen Biergarten. Der erste Tag war geschafft.
Nach dem Frühstück und dem Packen unserer wenigen Habseligkeiten, führte unser Weg an der Isar entlang vorbei an Lenggries Richtung Sylvensteinspeicher. Erst kurz vor dem Stausee stieg der Weg nennenswert an. Es bot sich uns ein toller Ausblick auf die türkisfarbene Isar. Noch durch einen kurzen Tunnel und wir standen oben auf der Staumauer.
Dann ein paar Kilometer auf der B 308 bis wir wieder in einen Forstweg Richtung Hinterriss einbiegen konnten. In Hinterriss eine willkommene Pause. Viel trinken, etwas essen und dann weiter. Die Trinkflaschen frisch aufgefüllt führte der Weg zum großen Ahornboden im Herzen des Karwendel. Noch bevor wir uns auf die Auffahrt zum Plumsjoch machten, kühlten wir unsere Füße im eiskalten Rissbach. Dann, das Navi zeigte knapp unter 40 °, die 600 Höhenmeter Auffahrt zur Plumsjochhütte und dem Plumssattel. Zwischendurch, in einem Bachtobel, noch mal die Füße im eiskalten Wasser abkühlen. Dann weiter, teils auf groben Schotter, unterbrochen von einigen Trinkpausen, hinauf zum Sattel. Nach einer Einkehr in der Hütte die Abfahrt zur Gernalm. Ein sehr steiler, grob schotteriger Weg. Hier, an einem der steilsten Abschnitte der einzige Sturz. Gottseidank nur ein paar Schürfwunden an Ellbogen und Schulter. Fahrrad bergab schieben bot sich als die sicherere Alternative an.
Nach der Alm auf Teer bergab bis Pertisau, wo wir in einem Gasthof eine große Ferienwohnung bezogen.
Wie immer, zuerst was trinken, dann duschen und im Biergarten den Tag ausklingen lassen.
Am nächsten Tag konnten wir es ruhiger angehen lassen. Lagen doch nur knapp 60 Kilometer und etwas über 600 Höhenmeter vor uns. Von Pertisau vorbei am Achensee und dann auf einer steilen Radpiste hinunter ins Inntal. Hier bogen wir bei Straß ins Zillertal ein. Nach ein paar Kilometern bot sich bei Schlitters ein herrlicher Badesee zum Abkühlen an. Logisch, dass wir da nicht vorbei fahren konnten. So legten wir eine gemütliche Badepause ein.
Danach weiter auf dem Zillertaler Radweg bis zum Talende bei Mayrhofen. Mittlerweile war es wieder richtig heiß geworden. So machten uns die letzten Kilometer hinauf nach Ginzling (Geizing, Originalton Horschti ?) doch ganz schön zu schaffen.
In Ginzling wurden wir herzlich empfangen und konnten auf der Terrasse zuerst einmal ein kühles Getränk zu uns nehmen. Hier ließen wir den Tag auch gemütlich ausklingen.
Am Freitag stand dann der höchste Punkt und einer der Höhepunkte unserer Tour an. Von Ginzling aus zuerst neben der Zufahrtsstraße zum Schlegeisspeicher, dann auf dieser weiter bis zur Mautstelle. Der Radweg, eine anfangs steile Schotterpiste führte uns neben der Hauptstraße hinauf bis unter die Staumauer. Dann noch auf der normalen Straße ein paar Kehren und durch zwei kurze Tunnel und waren hatten ein Zwischenziel erreicht.
Die Staumauer ist mit mittlerweile ein Abenteuerparadies mit Kletterwand und Klettersteig vom Fuß der Mauer bis zur Mauerkrone.
Hier erwartete uns ein gigantisches Bergpanorama, dass wir nach der Pause auf der Zamsereckhütte noch ausreichend genießen konnten. Hier war im Winter, für uns unvorstellbar, acht Meter Schnee gelegen. Und von der Bedienung konnten wir in Erfahrung bringen, dass der Übergang am Pfitscherjoch erst seit ein paar Tagen möglich ist.
Die nächsten Kilometer war Fahrradschieben angesagt. Auf einem plattigen und stufigen Pfad, immer wieder unterbrochen von Fotopausen und dem Bestaunen der tollen Landschaft liefen wir bis unter die Lavizalm. Nach dem Überqueren einer Bachfurth führte dann eine grobe Schotterstraße hinauf zum Joch, die wir teils fahrend, teils schiebend überwanden. Oben auf dem Joch zuerst die Schuhe und Strümpfe ausgezogen und die Füße um Schnee gekühlt.
Danach noch ein paar Höhenmeter hinauf zum Pfitscherjochhaus auf knapp 2300 Metern Höhe. Der nahe gelegene Jochsee lud allerdings nicht zum Baden ein, ragte doch noch eine Schneezunge ins Wasser, das mit Sicherheit eisig war.
Nach der Rast eine dreißig Kilometer lange Abfahrt, zuerst auf Schotter, hinunter nach Sterzing, wo wir am Fuß des Penser Joches unser Quartier bezogen.
Der Samstag sollte dann noch heißer werden. Zuerst fuhren wir von Sterzing etwas abseits des Eisackradweges. Ab Mittenwald, nach einer Cappuccinopause dann weiter nach Brixen, wo wir eine Pause einlegten. Der Radweg verlief dann immer an der Eisack entlang weiter nach Klausen und Waidbruck.
Mittlerweile zeigte das Thermometer über 40 ° an. Und vor uns lag der 13 Kilometer lange Anstieg nach St. Ulrich mit fast 900 Höhenmetern Anstieg. Der Hitze geschuldet legten wir ein paar Pausen ein. Und kurz vor dem Ziel dann noch mal eine längere Pause um etwas zu trinken. Im Hotel angekommen, wieder die Routine, etwas trinken, duschen und dann liefen wir ins Städtle zum Abendessen.
Der Sonntag sollte einer der weiteren Höhepunkte werden. Von der Pension hinunter zum Ortszentrum. Dort die Vorräte aufgebessert und dann zuerst auf einer Teerstraße, später auf Schotter hinauf zur Seiser Alm nach Saltria.
Hier wurden wir zum ersten Mal mit den Auswirkungen eines schweren Unwetters Ende Oktober letzten Jahres im Trentino und Friaul konfrontiert. Unter und über quer über den Weg liegende Bäume mussten wir unsere Räder schieben und heben.
Dieses Unwetter hat im Fleimstal die Wälder ganzer Berghänge umgeknickt. Wir konnten diese Passage gut meistern und machten kurz nach Saltria eine Rast. Danach folgte der Anstieg aufs Mahlknechtjoch. Noch einmal vier Kilometer und 450 Höhenmeter hinauf fahren oder schieben bis wir das Joch erreichten. Danach eine steile und grobschotterige Abfahrt zur Malga Miravella. Auch hier galt je nach Können und Trauen, lieber bergab schieben als stürzen, wollten wir doch alle in Torbole ankommen.
Nach der Rast auf der Alm vorbei an der Rifuge Micheluzzi, wo wir steil bergab durch eine unvorstellbare Masse an Wanderern fahren mussten. Erst im Tal angekommen, konnten wir wieder normal entlang der Torente Avisio zu unserem Tagesziel in Moena radeln.
Am nächsten Tag dann hinauf zum Karrerpass. Hier mussten wir nach wenigen Kilometern umkehren, da die Strecke wegen Baumfällarbeiten aufgrund des Sturmes gesperrt war. Leider wussten wir nichts von der direkten Verbindung hinüber zum Pass, so dass wir ins Tal abfuhren und zurück nach Vigo die Fassa radelten. Dort dann nicht allzu schwer hinauf zur Passhöhe und hinunter zum Karrersee. Auch dort mussten wir ein paar kurze Passagen ändern, da überall umgeknickte Bäume lagen.
Nach dem Karrersee dann auf einem schönen Schotterweg nach Obereggen. Dort machten wir dann Mittagspause. Danach der zweite Anstieg hinauf zum Reiterjoch. Hier waren die Wege frei. So konnten wir ohne Abenteuer das Joch erreichen und auf Teer und Schotter hinunter nach Cavalese und weiter nach Carano zu unserer Pension radeln.
Zum Essen mussten wir allerdings nach Cavalese laufen, da es in dem Ort kein offenes Lokal gab.
Und auch das Frühstück am nächsten Morgen fand nicht in der Pension statt. Wir liefen so 200 Meter zu einer Bäckerei, wo wir unser Frühstück mit Tee, Cappuccino und belegten Semmeln zu uns nahmen.
Nachdem wir wieder reisefertig waren, zuerst eine steile Abfahrt nach Molina die Fiemme. Dann radelten wir 16 Kilometer und 1400 Höhenmeter hinauf zum Passo di Manghen. Eine schmale Teerstraße und schön zu fahren. Und auch eine Motorradstrecke. Allerdings unter der Woche nicht so befahren. Auch bei dieser Auffahrt immer wieder der Blick auf verwüstete Berghänge.
An der Baita Manghen angekommen die verdiente Pause. Danach die letzten zwei Kehren hinauf und noch ein paar Gipfelfotos. Dann folgte eine über 20 Kilometer lange Abfahrt nach Borgo, auf Empfehlung von Wolfgang zu einem Eiskaffee, später dann die letzten Kilometer nach Levico Terme. Nach einem Abschlussbier die Badesachen gepackt und ab zum Lago di Levico.
Kaum zu glauben, Mittwoch, der neunte und letzte Tag der Tour steht an. Von Levico Terme aus radeln wir zum Kaierjägersteig. Früher ein Fußpfad, im Dolomitenkrieg eine Militärstraße. Jetzt im unteren Teil gut ausgebaut und weiter oben ein schmales Sträßchen, windet er sich hinauf zum Altopiano di Lavarone. Kurz vor der Passhöhe ein Abzweig auf eine Schotterstrecke und teils auf Pfadwegen nach Bertoldi. Dort gab ich während der Pause an, dass wir auf Teerstraßen bleiben, da die Pfade zu viel Zeit kosten würden. Was auch einigermaßen gut funktionierte. Bis vor Folgaria, wo ich doch wieder irgendwie auf Schotter / Waldweg abbog. Von meinen Mitradlern dann auch als Bioasphalt benannt. Von Folgaria nach Serrada und dann auf der Straße rasant hinunter nach Rovereto. Dort, am Marktplatz angekommen, die Fahrräder untergestellt und schnell in eine Cafeteria und schon begann es, wie aus Kübeln zu schütten. Übrigens der einzig erwähnenswerte Regenguss auf der ganzen Strecke. Diesen Gewitterguss konnten wir abwarten. Als der Regen abgeklungen war dann die letzten Kilometer und der letzte Pass (Passo San Giovanni 280 Hm) bevor wir von Nago aus den Gardasee zum ersten Mal sehen konnten. Noch schnell ein Foto und dann hinunter nach Torbole und zum See. Dann ein Zielfoto gemacht und mit oder ohne Radlklamotten in den kalten See. Danach radelten wir gemütlich den letzten Kilometer zu unserem Hotel.
Nach dem traditionellen Abschlussbier und duschen ein gemütlicher Tourausklang in einer nahen Pizzeria.
Am nächsten Tag, was sollte wir sonst schon machen, eine Radtour auf der Ponale, der alten Straße von Riva del Garda hinauf zum Ledrosee. Dort war baden und essen angesagt. Und vor Allem, der Genuss eines Grappa del Nonno in der nahegelegenen Pizzeria.
Am Freitag dann Heimreise. Mit dem Radl über den Passo San Giovanni nach Rovereto. Dort im Supermarkt mit Lebensmitteln und Getränken eingedeckt. Dann noch in einem Bistro im Zentrum die restliche Zeit verbringen, bevor wir um viertel vor vier in den Zug nach München einstiegen.
In Augsburg dann je nach Wohnort die schrittweise Verabschiedung.
Die Tour war aus. Schön war‘s!

Autor: Hans Horn