Inside-Info: Editorial Vereinszeitung 04 / 2020

„Steht der Vereinssport auf dem Abstellgleis?“

Werte Sportfreunde,
sehr geehrte Damen und Herren!

Corona begleitet uns (leider) weiter und beschäftigt die vielen Mitarbeiter*Innen und ehrenamtlichen Funktionäre mehr, als es der operative Sport je getan hat. Wer von den 88.348 Sportvereinen in Deutschland (2019) hatte denn jemals zuvor beispielsweise einen Antrag auf Kurzarbeitergeld stellen müssen?
Interessanterweise waren es 2017 laut DOSB noch 89.594 Vereine.

Egal ob wir im Weiteren nun rund 1.250 mehr oder weniger Vereine zugrunde legen, wer musste denn bisher in seinem ehrenamtlichen Engagement Hygieneregeln erstellen und gegenüber Behörden verantworten?
Oder welcher der 41.800 Vereine mit vereinseigenen Sportanlagen (Stand 2016) musste sich einem Thema einer Vorsteuer intensiver widmen, weil plötzlich und aus heiterem Himmel nun verstärkt Sportvereine von den Finanzämtern geprüft werden.

Übrigens nicht nur in Augsburg.

All das sind Herausforderungen und Problemstellungen, die in einem hohen Maße das weitere Verschwinden von Vereinen mit ehrenamtlichen Strukturen forcieren.

Oder ist es gar gewollt?

Das speziell die Sportvereine keine richtige Wertschätzung mehr erfahren, kam zunächst etwas schleichend, nur mit den aktuellen Corona-Hilfspaketen wird ein Sportverein gar nicht mehr gewürdigt. Bei allem Verständnis und Respekt, dass es sicherlich wichtigere Dinge als Sport in Krisenzeiten zu managen gibt und dass auch bei den Maßnahmen korrekterweise vielleicht der Sport nur mit geringerer Priorität behandelt werden kann, darf aber im Ergebnis doch nicht dazu führen, dass er ganz aus dem Repertoire gestrichen wird.

Wo findet man denn aktuell – außer bei der Verdoppelung der Sportförderung von 40 auf 80 Mio. €, wohlbemerkt aber bei rund 4,7 Mio. Mitgliedern in Bayern, im Ergebnis also ca. 8,00 € mehr pro Mitglied und Jahr – nur den Hauch von Corona-Hilfsmaßnahmen für die Sportvereine?

Alleine die behördlich angeordneten Hygienemaßnahmen beanspruchen die 8,00 € im Monat, was aber für ein Jahr ausbezahlt wurde.

Es liegt mir fern Vergleiche zu anderen Einrichtungen und Institutionen herzustellen. Dies ist unprofessionell und hilft keinem wirklich weiter. Aber es sei schon gestattet, dass das sportliche Ehrenamt, welches oft als Herzstück unserer Gesellschaft von unseren Politikern insbesondere vor den Wahlen bezeichnet wird, sich mit dieser marginalen Hilfestellung schon als „fünftes Rad am Wagen“ fühlt.

Die entscheidende Frage bleibt zum Schluss: Wollen wir weiterhin sportliche und ehrenamtlich geführte Organisationen in unserer Gesellschaft haben? Dann sollten wir dies auch mit adäquaten Mitteln wertschätzen. Und falls das Ehrenamt ausgedient haben sollte, dann wäre es zumindest ein Akt des Respekts, den Menschen rechtzeitig zu sagen, dass sie überflüssig sind.

Ihr Heinz Krötz

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