Hüttengeschichte

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Hüttengeschichte 2015-09-12T13:56:41+02:00

1985_03_12_AZ_Hütte swÜber 30 Jahre ist es her, als unser heutiger Präsident Heinz Krötz dem damaligen Präsident Manfred Baltes (+) mitteilte, dass es in Rinnen ein Haus gäbe, welches über Herrn Werner Hosp (+) vom Gasthof „Rotlechhof“ an den Post SV vermittelt werden könnte. Voller Euphorie sollte das rasch über die Bühne gehen. Nicht so beim damaligen Post SV: Seitens des Präsidenten musste eine eigene Projektgruppe darüber urteilen, ob das Haus genommen werden darf und ob die hohen Risiken kalkulierbar wären.

Vizepräsident Rudolf Huber bekam den Auftrag mit Heinz Krötz das Haus zu besichtigen. Ergänzend mit den Sportkameraden Artur Greiner (+) und Georg Büchler fuhr man nach Rinnen um das Haus zu besichtigen. Während drei der Teilnehmer zwar einen hohen Aufwand formulierten, sah der Vize es eher als Irrreparabel. Ziemlich schmerzfrei und in seiner Aussage bestätigt, war somit das Thema Hütte vom Tisch. Alle Argumentationen waren aussichtslos und das damalige Präsidium ließ nur einen Weg offen, einen Mietvertrag gegenzuzeichnen, in dem 4 Leute privatwirtschaftlich das Risiko übernehmen und noch am gleichen Abend 10.000 DM als Sicherheit dem Vorstand vorlegen. Noch am gleichen Abend?

Heinz Krötz, der damalige Vizepräsident und Jugendleiter der Fußballabteilung, bezeichnete das Vorgehen seines Amtsvorgängers Manfred Baltes (+) als unseriös und hatte das neue Vereinshaus gedanklich schon abgeschrieben. Wäre da nicht der Otto Hörmann (+), damaliger stellvertretender Abteilungsleiter Fußball, an besagtem Dienstagabend ins Vereinsheim gekommen und hatte zufällig 10.000 DM dabei.

Die vier Leute fanden sich gleich im Anschluss mit Gustav Küffner (+), Eduard Kretzinger (+), Otto Hörmann (+) und Heinz Krötz sehr schnell. Die Hütte Rinnen war geboren und der erste Mietvertrag über 10 Jahre wurde am gleichen Abend noch vom Präsidenten Manfred Baltes (+) bestätigt.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die frohe Botschaft: „Die Fußballer haben eine Hütte – hoi wo – in Rinnen“!

Schon der Vater unseres Präsidenten, Karl Krötz (+), verfolgte Jahrzehnte zuvor das Ziel, eine Hütte wie die der Alpinisten des BC Augsburg am Oberjoch zu bekommen. War doch die Aufstiegsfeier der Post SV-Fußballer in die damalige A-Klasse 1966 / 1967 dort gefeiert worden. Nun war es soweit!

Bald ergänzten die traditionellen Hüttenwarte Karl Reinert (+) und Alfred Schwarz, die selber 9 Jahre in Holzgau im Lechtal eine Hütte hatten und mit Wehmut aufgeben mussten, die hochmotivierte Truppe. Auch Karl Krötz, damals schon von seiner Krankheit gezeichnet, half wo er nur konnte.

Ziel war es Silvester 1984 / 1985 auf der Hütte zu feiern. Und um es vorweg zu nehmen, was nur wenige geglaubt haben: Wir feierten am 31.12.1984 Silvester auf der fertiggestellten Hütte!

Nach der Vertragsunterzeichnung galt es die ersten Schritte festzulegen. Gewisse Auflagen gab es auch vom Eigentümer, da wir 2 Jahre Mietfreiheit ausgehandelt hatten. Im Gegenzug dafür mussten wir Materialinvestitionen für 10.000,00 DM nachweisen.

Georg Büchler zeichnete die ersten Grundrisse der vorhandenen Räume. Auf Basis derer wurde in einem zweiten Stepp festgelegt, dass in der Küche eine Betondecke eingezogen werden muss. Bei der Erstbesichtigung wäre man quasi über die Türschwelle der Küche getreten und wäre dann mangels Fußboden bis zum Keller durchgefallen. In der Küche war auch der einzige Wasserablauf des Hauses, mit einem Handwaschbecken, Marke „Museum“. Die Wände waren „pechschwarz“ und sind auch noch heute aus Natursteinen. Ein neues Mauerwerk, ein adäquater Anstrich darauf erschien unmöglich.

Wir entschieden uns zunächst aus Kostengründen für wasserfeste und verleimte Spanplatten mit Nut- und Feder. Hinter dem Ofen und den Arbeitsflächen sollte gefliest werden. Für die Restflächen waren Raufasertapeten vorgesehen. Wer könnte denn einen Wasserzulauf und einen Wasserablauf installieren? Mmmh: Eigentlich müssen wir eine komplette Wasserinstallation planen. Nur wer könnte das machen? Schnell fiel der Name „Baron“ (Helmut Müller) und „Wifo“ (Wolfgang Rieß). Mit denen müssen wir reden. Na, ja, das war es dann erstmals von der Küche – fast!

Wenn wir eine komplette neue Wasserinstallation planen, dann brauchen wir auch eine Warmwasseraufbereitung. Durchlauferhitzer scheiden schon aufgrund der zu geringen Ortszuführung aus. Da gab es doch irgendwie eine oberirdische Zuführung. Wo geht denn die hin? Ups – Lebensgefährlich!

Bleibt eigentlich nur ein Warmwasserboiler. Wie groß muss denn der sein? Es gibt nur 300 und 500 Liter. Wo stellen wir denn ein Monster mit dieser Größenordnung hin? Dafür kommt eigentlich nur der Nebenraum zur Küche („Speise“) in Frage. Vor dem Kellerabgang wäre gut, nur dann müssen wir den Durchgang verkleiden. Okay, da bleibt uns keine Alternative. So, dann hat sich auch die Frage der Größe erledigt. Denn wenn wir dort einen 500 Liter-Boiler platzieren, kann keiner mehr in den Keller laufen. Die restlichen Flächen brauchen wir für Speise- und Getränkevorräte. Die Decke und die Außenwand machen wir wieder mit Nut- und Feder, den Rest mit Rauputz.

Nun tauchte schon die nächste Frage auf: Wie sieht es denn eigentlich mit der restlichen Elektrik aus? Die Suche nach einem Zählerschrank endete rasch. Hier musste zunächst Kontakt mit der Eigentümerin aufgenommen werden, damit diese vom E-Werk-Reutte eine neue Hauszuführung mit Übergabepunkt und Zähler beauftragte. Und dann? Wegen der Installation müssen wir dann mit „Blitzi“ (Reinhard Blank) und dem „Onkel“ (Hermann Kretzinger) sprechen. Das ganze Haus muss neu verkabelt werden. Das Material besorgen wir dann über „Charly“ (Karl Haslinger, SV Bonstetten). Immerhin, dann wäre auch das schon einmal organisiert.

Im Aufenthaltsraum thronte der alte Tiroler Ofen. Keiner von uns kannte sich so richtig damit aus, wie er wohl funktionieren würde und wie man die vorhandenen Risse restaurieren könnte. Es galt Norbert Schaich (+) zu kontaktiert, der sollte wohl eine Lösung wissen.

Die Fenster im Aufenthaltsraum schauten selbst mit „Winterfenster“ auch nicht mehr vertrauenserweckend aus. Allein bei der optischen Prüfung hatten wir schon Probleme. Nach intensiver Prüfung kamen wir zu dem Entschluss, dass mindestens das gesamte Erdgeschoss mit neuen Fenster versehen werden muss. Nur was machen wir im ersten Stock, vor allem in den Schlafräumen? Die schauen auch nicht mehr gerade besonders aus. Wir erkundigen uns einmal was die Fenster kosten und wenn sie einigermaßen innerhalb unseres geplanten Budgets liegen, könnten wir ja gleich die für den ersten Stock mitkaufen.

Schon taucht die nächst Frage auf: Wer baut denn die Fenster ein? Die Außenmauern der Hütte bestehen alle aus Holz. Die Innenwände auch. Also brauchen wir einen Schreiner. Theo Wagner (+) wurde gleich in diesem Zusammenhang genannt. Karl Reinert (+) soll mit Theo reden, der kennt ihn ganz gut, ob er mitfahren würde und uns die Fenster einbaut. „Aber Kosten darf es fei nichts“ – lautete die klare Order! Ansonsten können wir die beiden Aufenthaltsräume mit der schönen Holzvertäfelung so lassen. Die Decken schauen natürlich ebenfalls schon marode aus. Da machen wir einfach Nut- und Federbretter drauf und lasieren diese mit der gleichen Farbe wie die Wände haben. Zwischen der Decke und den Wänden noch ein bisschen weißer Farbe und dass sollte erstmals reichen. Oder? Hallo, wir haben ja noch gar kein Licht in den Aufenthaltsräumen. Ach so! Blitzi, Onkel und Rudi Baum, die sollen hier mal Kabel ziehen, bevor wir die Decke montieren.

In dem früheren Nebenzimmer der Gaststätte machen wir einen Raum für den Hüttenausschuss. Hier müssen wir von den insgesamt vier vorhandenen Fenstern zwei zumauern und die beiden anderen durch neue Fenster ersetzen. Sollten wir die 4 Fenster so belassen, werden wir das Problem haben, dass es a) im Winter sehr kalt werden dürfte und b) zur Paula hinüber es permanent zu Lärmbeschwerden kommen wird. Am besten wir verlatten das ganze Zimmer, füllen die Zwischenräume mit Styropor für eine Wärme und Schallschutzdämmung auf. Ansonsten steht eigentlich nichts mehr in diesem Raum an.

So was haben wir denn dann noch für Räume im Erdgeschoss? Den Skivorraum müssen wir unbedingt isolieren und verkleiden. Im Winter gefriert hier sonst alles ein. Okay, da nehmen wir wieder altbekannt und bewährt: Styropor sowie Nut- und Feder. Prima, wieder einen Haken mehr! Dann haben wir eigentlich nur noch die interessante Variante der Kellertoilette und den Stall. Wollen wir diese so belassen? Ja, war die einhellige Meinung. Wir müssen sie halt zum Stall hin isolieren und verkleiden. Dann machen wir noch ein Pissoire rein und ein Handwaschbecken. Und im Stall? Da kann dann der Karre (Karl Reinert) die alten Tröge rausreißen und den Platz brauchen wir dann schon für Holz und Kohlen. Was machen wir denn mit diesem schmalen Gang da zwischen dem zweiten Aufenthaltsraum und dem Stall? Da machen wir eine kleine Werkstatt rein. Hier können wir dann das Werkzeug, was wir nicht immer brauchen und welches nicht für jedermann zugänglich sein soll, lagern. Das Erdgeschoss war dann so ziemlich einmal geplant.

Aber wo machen wir denn noch Duschen und Toiletten hin? Oben links, nach der Treppe? Nee, das kann nur ein Schlafzimmer werden. Und nachdem hier der Kanonenofen steht, den wir laut Eigentümer nicht entfernen dürfen, werden wir hier auch nur 5 Betten stellen können. Das „Hochzeitszimmer“ mit Balkon? Ungeeignet, viel zu klein! Wie wäre es mit einem der beiden Zimmer über den Aufenthaltsräumen? Helmut Müller meinte: „Nein, da haben wir viel zu weite Wege bei der Wasserführung. Außerdem bleibt hier immer die Gefahr das Wasser durch die Decke in die Aufenthaltsräume laufen kann.“ Okay, dann kommt aber die ehemalige Wohnküche (heute „Blauer Salon) auch nicht in Betracht, da genau unterhalb die Küche installiert werden soll. Jetzt wird´s eng! Wo machen wir nur die sanitären Anlagen hin?

Dann kam die rettende Idee: Wir bauen sie einfach am Ende des Gangs, wo es in diese Abstellkammer „ohne Dach und Wände geht“ rein. Nur zum Verständnis: Wer damals in unser heutiges Bad ging, dem regnete es einerseits auf den Kopf (unser Dach war noch undicht, aber das war Sache des Eigentümers) und bei Unachtsamkeit fiel man andererseits gleich bis in den Stall nach unten durch. Aha: Platz für kreativen Wohnbau!

Und so kam es: 4 Wochen lang, Tag für Tag, wurden mit eigens aus Deutschland importieren Ytong-Steinen Mauern hochgezogen. Anschließend Deckenbalken eingezogen und isoliert. Selbst unser „Professor der Künste“ Josef Morhard nahm Urlaub und half der „Großfamilie Krötz“ das aufwendige Gewerk zu erstellen. Dann kam der Baron und legte zusammen mit Wifo (Rieß) die Wasserrohre. Auch Günter Eichner engagierte sich und „versenkte“ gleich zu Beginn seiner Tätigkeit einen Hilti-Bohrer für 100 DM in der Versitzgrube.

Bald kam die Zeit der Fliesenarbeiten: Rund 100 m² galt es zu verlegen. Familie Alfred und Dieter Wieland, Detmar Spannenberger, Reinhard Blank, um stellvertretend für rund 30 Helferinnen und Helfer ein paar Namen zu nennen, engagierten sich über viele Samstage, um die doch umfangreichen und nicht gerade einfachen Arbeiten zu realisieren. Dann die Endmontage: 4 Spiegelschränke wurden installiert und einen Elektroheizkörper. Der Sanitärbereich war fertig und für eine „Hütte“ eine Vorzeigeproduktion.

Die Decken konnten aber unmöglich so bleiben. Egal ob im EG oder im OG – auch nicht vorrübergehend bis zur Eröffnung. Wir beschafften rund 250 m² Nut- und Federbretter zur Verkleidung der Decken. Erika Krötz ließ die Bretter farblos ein und unter „fachgerechter“ Anweisung unseres Dr. Hans-Jörg Fischer (+) wurden dann die Decken montiert. Selbst Artur Leinwetter und Ferdl Reinert (+), die Montage-Asse der Fußballabteilung, ließen es sich nicht nehmen Hand anzulegen.

Da das Geld, welches wir investieren konnten, immer weniger wurde, aber in den Schlafräumen immer noch keine Betten standen, mussten wir kreativ werden. Vom Katastrophenschutz der Post und von der Kaserne in Lagerlechfeld bekamen wir eine Erstausstattung an Etagenbetten aus Metall zur Verfügung gestellt. Ortwin Stegherr von der Alpine-Abteilung besorgte uns dann noch aus den Katakomben der Grottenau-Post warme Decken. Die erste Schlafausstattung war geschaffen.

Liebe Mitglieder und Hüttenfreunde, dies war ein kleiner Auszug aus unseren ersten 9 Monaten Hütte Rinnen. 2014 gab es einen Eigentümerwechsel und seit 2015 hat die Hütte ein völlig neues Outfit. Interessant war auch der Sommer 2015 noch: Fuhren die Familien Blank, Degele und Krötz noch vor 30 Jahren mit ihren eigenen Kindern auf die Hütte, so waren es in diesem Jahr die Enkel. So schnell vergeht die Zeit.

Es gäbe noch so viel Schönes aus über 30 Jahre Hüttengeschichte zu erzählen. Wenn wir wieder einmal Zeit haben, werden wir sicherlich über weitere Anekdoten berichten.

(+) leider sind diese Mitglieder schon alle verstorben!