Erlebnisreiche Tag in den Dolomiten

//Erlebnisreiche Tag in den Dolomiten

Erlebnisreiche Tag in den Dolomiten

Mit einem „Und Tschüss, Danke“ verabschiedete mich der Mann am Lift und ich zog meinen Rucksack an mich heran. Es wurde kühl als die Gondel langsam nach unten fuhr und ich dachte nach über die letzten drei Tage in den Dolomiten. So viel habe ich bis jetzt selten auf einmal erlebt.

 

 

 

 

Tag 1
In der früh um viertel vor sechs musste ich aufstehen, mich anziehen und nach einem Kaffee ging es los Richtung Berge. Die Fahrt war lang und kurvenreich, weshalb schlafen auch nicht wirklich möglich war. Am Parkplatz der Laurin-Bahn mussten wir dann schnell alles in unsere Rucksäcke packen, denn es war schon fast zu spät für die letzte Bahn vor der Mittagspause. Die Aufregung stieg langsam, als es über die Wiesen hinweg auf die Bergwand zuging. Auf der Hütte, von der aus wir in den Klettersteig wollten, boten wir erst einmal eine Show für all jene, die nur auf einen Kaffee oder ein Bier dort waren. Alle sollten ihr Kletterset anziehen, was mehr oder weniger schnell und einfach funktionierte. Außerdem gingen wir natürlich im Weg um und ohne eine paar blöde Witze kommt die Gruppe auch nicht von A nach B. Für mich war es vor allem spannend, denn es war mein erster Klettersteig und ich wollte endlich wissen, wie es sich anfühlt unter sich erstmal nichts zu finden außer Luft. Im Klettersteig selbst war es dann aber tatsächlich nicht besonders schwer für mich. Es hat wirklich Spaß gemacht und mit ein paar mehr oder weniger freiwilligen Pausen, war es dann auch nicht so schwer. Oben auf dem Santnerpass machten wir Brotzeit, bevor wir zur Gartlhütte über ein Schotterfeld abstiegen. Dort stellte ich dann fest, dass wir zu siebzehnt in Stockbetten schlafen sollten, was mich an sich nicht störte, aber ich wusste schon um das Schnarchen von der letzten Tour. Der Abend war lang und alle tranken Rotwein und erzählten Geschichten von früher in den Bergen oder ihrer Bundeswehrzeit. Meine heimliche Hoffnung war, dass ich müde genug sein würde, um ohne großes Nachdenken einschlafen zu können, aber das war nicht der Fall. Leider.

   

 

Tag 2
Der nächste Morgen war also für mich dementsprechend hart. Der Kaffee half nur ein bisschen, aber zusammen mit der frischen Luft und der Sonne im Gesicht, als wir dann zur Vajolethütte abstiegen, wachte ich auf. Nach einer kurzen Pause entschieden wir uns in Richtung Kesselkogel zu gehen. Rita und Willi (meine Oma und mein Opa) blieben lieber auf der Hütte, in der wir auch übernachten wollten. Also ließen wir Überflüssiges dort und wanderten zur Grasleitenpasshütte rauf. Die Sonne schien und ich war am Abwägen, ob ich mit auf den Kesselkogel wollte. Natürlich wollte ich. Während Stefan (mein Papa), Claudia, Elfie, Ria und Ortwin dort blieben, zogen Jürgen, Peter, Petra, Erich, Hans, Nathalie, Wolfi und ich uns um. Der Einstieg ohne Sicherung um einen Felsen herum am Abgrund entlang war schon etwas einschüchternd. Aber es ging dann doch recht gut für mich und wir machten schnell Höhe. Gut in der Zeit machten wir kurz Pause und drehten uns in Richtung Aussicht, weg vom Berg. Irgendwo donnerte es dumpf. Man konnte dunkle Wolken sehen und die Sonne war verschwunden, ohne dass ich es gemerkt hatte. Auch das Zeitgefühl verschwand. Die Frage, ob man weitergehen oder absteigen sollte, wurde gestellt. Wir stiegen weiter auf. Sehr plötzlich kam der Regen und mit diesem der Hagel. Jürgen ging voraus, um zu sehen, wie weit vom Gipfelgrat wir noch entfernt waren. In der Zwischenzeit zogen wir unsere Regenjacken an. Mein erster Fehler war hier, dass ich mich am Seil über mir einhielt und das ganze Wasser in meinen Ärmel lief. Ich war zu nervös, um das zu beachten, denn wir warteten angespannt auf Jürgens Zeichen. Als es endlich kam, kletterten wir, kaum etwas sehend und den Hagellärm in den Ohren weiter. Auf dem Gipfelgrat war es neblig, nass und unheimlich. Links und rechts fielen die Wände vermutlich steil ab, aber man konnte davon nichts sehen. Schnell wurden Gipfelfotos gemacht, denn die Hoffnung war, dass auf der wind- und wetterabgewandten Seite, alles etwas leichter wurde. Das war nicht der Fall. Der Regen wurde dicker und der Hagel schlug mir auf die Hände und Arme. Wir wollten nur noch vom Berg und alles ging sehr schnell. Keiner machte mehr Witze. Es blieb keine Zeit schön und gemütlich abzusteigen. Unter einem Felsvorsprung trafen wir uns alle kurz, aber es war nicht wirklich trocken. Wir mussten weiter, sonst würden die Wege von den inzwischen gebildeten Wasserfällen weggeschwemmt sein. Beim weiteren Abklettern merkte ich, dass nun auch meine Füße nass waren und der Regen durch die Hose und Jacke gelaufen war. Blitz und Donner waren über uns und sogar Steine fielen.  Als Seil 2 in Sicht kam, war ich erleichtert, musste sogar grinsen und wurde schneller. Über Felsen und Schotterfelder ging es durch den Nebel und den Regen zurück. Irgendwo erkannte ich Hans und hinter mir hörte ich Petra und Peter. Manchmal pfiff Jürgen und Schatten in der Ferne wurden zu Nathalie und Erich. Der Regen hatte sich gesammelt und Sturzbäche wuschen die Wege weg. Es war egal, denn die Schuhe waren schon durchweicht und die Aussicht auf die nächste Hütte trieb voran. Der Wind peitsche Wasser ins Gesicht und es blitzte und donnerte. Durch das Grau konnte ich eine orange Jacke sehen. Mein Papa und die anderen waren nicht mehr weit weg auf der Grasleitenpasshütte. Als ich endlich ankam, war ich so erleichtert. Ohne lange zu zögern gingen Hans, Petra, Peter und ich gleich weiter zur Vajolethütte. Duschen, trocken- und warmwerden war wichtig, so schnell wie möglich. Die Socken konnte man auswinden und aus den Schuhen lief das Wasser. Sechs Minuten heißes Wasser belebten meine Beine wieder und mit Apfelschorle wurde es leichter. Die anderen kamen später von der Hütte herunter. Beim Abendessen erzählten alle, wie sie den Tag erlebt hatten und erst da wurde mir bewusst, wie gefährlich und schwer die Stunden für alle waren.

 

 

Tag 3
In den kleinen Zimmern konnte ich mich vom letzten Tag erholen. Mit gutem Frühstück im Bauch und warmen Klamotten aus dem Trockenraum ging es weiter zum Zigoladepass (oder Schokoladenpass?). Der Weg war oft schlecht erkennbar durch die gestrigen Regenfälle und es machte die Runde, dass tatsächlich Menschen gestorben waren im Unwetter. Jürgen, Rita und Elfie vorne weg, wanderten wir über Wiesen. Das Wetter war gut, man konnte Kletterer in den Wänden sehen und der Muskelkater verschwand beim Laufen langsam. Auf dem Zigoladepass, nach einem anstrengenden Stück weg, machten wir Pause mit Schokolade und Landjäger. Man hatte eine unglaublich schöne Aussicht in zwei Täler. Auf dem Weg zur Rotwandhütte kamen uns viele Leute entgegen und es wurde warm und sonnig. Die Strecke war angenehm und endlich auf der Rotwandhütte gab es Cappuccino und Apfelstrudel. Viele Italiener waren zum Sonnenbaden heraufgekommen, weshalb es viel zu sehen gab für uns. Rita, Willi, Ortwin, Erich, Ria, Elfie und ich blieben auch dort, während die anderen den Masaré-Klettersteig machten. Ich wollte meine Kräfte für morgen sparen und hatte auch etwas Angst, dem C-Teil, des B/C-Steigs nicht gewachsen zu sein. Wir kletterten auf einen kleinen Aussichtsfelsen, tranken Bier, Kaffee, Sprizz und Apfelschorle und schauten auf die eindrucksvollen Felswände der Rotwand. Die Klettersteig-Gruppe kam irgendwann zurück zur Hütte und nach einem guten Abendessen, endete der Tag in einem alkoholisierten Abend. Es wird dann immer viel gelacht, politisiert und geblödelt.

 

 

Tag 4
Diese Nacht konnte ich wieder kaum schlafen, denn wir waren in einem Schlafsaal mit 9 Stockbetten. Irgendwer schnarchte immer und so konnte ich nur vor mich hin dösen. Dafür war ich schon um kurz vor sechs wach und sah draußen den lila Himmel. Ich zog mir eine Jacke an und war draußen vor der Hütte recht alleine mit dem Hüttenhund beim Sonnenaufgang zwischen Sellagruppe und Marmolata. Es war friedlich und wunderschön. Nach dem Frühstück ging es für alle, bis auf Oma, Opa, Ortwin und meinen Papa über den Vajolonpass zurück zur Kölner Hütte. Man konnte Murmeltiere hören, während wir schnell Höhe machten. Leider war der Rotwand-Klettersteig nicht möglich für uns, weshalb wir, den ersten Wanderern entgegen, abstiegen. Auch hier konnte man die Spuren des Gewitters noch sehr gut sehen, obwohl der Weg gut ausgebaut war. Es war, als würde man wieder in der Zivilisation ankommen, von einem fernen Planeten zurück. Die Leute wurden leichtsinniger, unerfahrener und unfreundlicher. Auf einem großen Felsblock schaute ich noch einmal auf die Berge und das Tal. Auf einem gut besuchten Pfad wanderten wir recht schnell zur Laurin-Bahn zurück. Wir nahmen den Lift und es ging ins Tal zurück.

Jetzt schon kann ich mich nicht mehr an alles erinnern, was so passiert ist, aber der erste Klettersteig, das Unwetter am Kesselkogel und der Sonnenaufgang vor der Rotwandhütte werden mir für immer bleiben, zusammen mit dem Gefühl in einer tollen Gruppe ein Abenteuer erlebt zu haben, mit vielen lustigen Momenten und faszinierenden Menschen.

 

Danke Hanna

2017-08-22T17:18:04+02:00 22. August 2017|Categories: Alpine|