Ein Aikidotraining beim Post SV

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Ein Aikidotraining beim Post SV

„O negai shimasu“, ertönt es zu Beginn des Aikido-Trainings nach einer kurzen gemeinsamen Meditation. Frei übersetzt in etwa: „Lasst uns [mit dem Training] beginnen“. Aus dieser Begrüßung lässt sich vielleicht schon erahnen, dass Aikido etwas zunächst Ungewöhnliches ist. Wer nun einen Aikido-Ausübenden (jap.: Aikidoka) nach einer Definition von Aikido fragt, wird diesen meist genauso ins Schwitzen bringen, wie jeden anderen mit der Frage: „Was ist Wasser?“. Würde man es nicht kennen, würde einem auch die Antwort: „Wasser ist ein Molekül mit der Formel H2O.“ nicht viel helfen. Eine Definition ist hier unzureichend, um die Bedeutung des Wassers für einen selbst oder andere darzustellen. Und so möchte ein Aikidoka auch ungern eine Definition von Aikido geben, denn diese beantwortet die gestellte Frage zwangsläufig nur unzureichend. Aikido ist nun einmal sehr vielfältig und facettenreich, was dazu führt, dass es individuell verschieden wahrgenommen wird. Es ist für jeden ein kleines Bisschen anders.

 

Dennoch werde ich hier den Versuch einer aussagekräftigen Definition von Aikido unternehmen: Aikido ist eine japanische Kampfkunst, in der Runde und harmonische Bewegungen zum Einsatz kommen, um einen oder mehrere Gegner zu kontrollieren. Es ist eine Kampfkunst, deren Philosophie es ist, den Frieden zu wahren und den Angriff zu beenden ohne den Gegner zu zerstören. Oder eine weitere persönliche Definition: Aikido ist effiziente Bewegung mit dem Ziel einen Angreifer zu kontrollieren und den Angriff friedlich zu beenden. Etwas leichter lässt sich eine Antwort auf die Frage „Was tut man beim Aikido?“ geben, wobei dies meist in ausschweifenden Erklärungen mündet. Ich werde mich bemühen, die Erklärungen knapp zu halten und einen typischen Trainingsablauf zu beschreiben.

 

Nach der eingangs bereits beschriebenen gemeinsamen Meditation wärmt man sich auf. Dies geschieht nach einem festgelegten Schema aus Bewegungs- und Dehnungsübungen, welche sich viel am östlichen Meridiansystem orientieren, das man z.B. auch aus der Akupunktur und Akupressur kennt. Danach fühlt man sich aufgewärmt und vorbereitet auf die nächsten Etappen des Trainings. Es geht weiter mit dem Rollen und Fallen (jap.: Ukemi), welches geübt wird, damit später bedenkenlos Würfe und Hebel angesetzt werden können, ohne dass es zu Verletzungen kommt. Gleichzeitig schult das die Beweglichkeit und stärkt den Körper. Zunächst wird – auch für Anfänger geeignetes – Rollen am Boden geübt. Anschließend wird die Schwierigkeit je nach Können erhöht und auch schwierigere Übungen durchgeführt.

Nach dem Roll- und Falltraining folgen einige Einzelübungen von typischen Grundbewegungsabfolgen im Aikido. Dies sind zu einem großen Teil Drehübungen, bei denen der Fokus auf einer aufrechten Haltung und einem dynamischen Gleichgewicht liegt. Auch Übungen zur idealen Krafterzeugung und -übertragung werden geübt. Dies steht damit in Zusammenhang, dass Aikido zur Selbstverteidigung auch gegen körperlich überlegene Gegner funktionieren soll. Man lernt also, sich geschickt zu bewegen und mit möglichst wenig Krafteinsatz möglichst große Wirkung zu erzielen.

Beim anschließenden gemeinsamen Trainieren werden eben diese Bewegungen mit Hebel- und Wurftechniken kombiniert und geübt. Der „Gegner“ wird dabei als Trainingspartner, nicht etwa als Feind, angesehen, der einem helfen soll, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Dies steht im Gegensatz zum Wettkampfgedanken, bei dem jeder gewinnen will (und es automatisch einen Verlierer gibt). Beim Aikido wird darauf geachtet, dass beide Trainingspartner einen Lernerfolg haben. Daraus resultiert auch, dass eine Technik nicht „gnadenlos durchgezogen“, sondern je nach körperlicher Verfassung und Erfahrung des Angreifers mit angemessener Intensität ausgeführt wird. Ein Angriff wird so abgewehrt, dass der Angreifer nicht geschädigt, aber erfolgreich von seinem Angriff abgebracht wird (und meist auf dem Boden liegt). Die dabei zur Anwendung kommenden Techniken wurden vom Gründer des Aikido, Morihei Ueshiba, aus diversen Kampfkünsten übernommen und so modifiziert, dass sie bei Durchführung, unter Beibehaltung ihrer Effektivität, keine Schäden anrichten. Dieses gemeinsame Üben macht meist den Hauptteil des Aikidotrainings aus.

Den abschließenden Part macht eine kurze Abschlussmeditation aus, gefolgt von einer traditionellen Verbeugung, mit der man sich bei den Mittrainierenden bedankt. „Domo arigatou gozaimasu“ – „Vielen Dank [fürs Mittrainieren]“.

Ganz ist es dann noch nicht vorbei, denn dann werden noch gemeinsam die Matten aufgeräumt, geredet und gelacht. Am Ende zählt, dass man beim Trainieren Spaß hatte, etwas gelernt hat und man sich ausgeglichener und energiereicher als zuvor fühlt. Mir persönlich geht es jedenfalls so, während und nach jedem Training!

Ich möchte jeden herzlich dazu einladen, einmal im Training für alle Dienstags ab 19:30 Uhr in der Wittelsbacher GS, Elisenstraße 5, 86156 Augsburg, Zugang über Mundingstraße gegenüber der Kirche, vorbeizukommen, um sich diese zunächst ungewöhnlich erscheinende Kampfkunst anzuschauen.

2017-11-28T10:27:43+01:00 27. November 2017|Categories: Aikido|